Angaben zur Person:

„Myrtha“, 56, seit 1997 bei der Dargebotenen Hand Winterthur Schaffhausen Frauenfeld

1. In welcher Phase Deines Lebens hast du mit ehrenamtlicher Tätigkeit begonnen?

Mit ca. 40 Jahren. Meine Kinder waren noch klein, da stieg ich in die Sonntagsschularbeit ein und war auch darüber hinaus in unserer Kirchgemeinde engagiert.

2. Gab es oder gibt es verschiedene ehrenamtliche Tätigkeiten im Verlauf deines Lebens?

Ja, in der Kirchgemeinde, bei der Vorbereitung von Gottesdiensten, ausserdem war ich im Organisationsteam für den Weltgebetstag und einmal in der Pfarrwahlkommission. Weiter habe ich mich mehrere Jahre in der Schulpflege engagiert.

3. Was motiviert Dich, unentgeltlich für Die Dargebotene Hand tätig zu sein?

Ich empfinde es als Privileg, dass ich nicht zum Unterhalt der Familie beitragen muss und stelle meine Zeit gerne zur Verfügung. Telefon 143 ist ein wichtiges Angebot, weil es Aufmerksamkeit schenkt, wo diese benötigt wird. Daran beteiligt zu sein, finde ich sinnvoll. Für mich ist es sehr befriedigend da zu sein, wenn jemanden die Sorgen belasten. Mit den Anrufenden einen Weg zur Erleichterung zu finden, ist eine Herausforderung für mich und braucht viel Einfühlungsver- mögen.

4. Was sind die Unterschiede für dich zur bezahlten (Berufs-)Arbeit/Tätigkeit? Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen ehrenamtlicher und bezahlter (Berufs-)Arbeit/Tätigkeit?

Mir gefällt die flexible Dienstgestaltung, ich muss mich nicht dauerhaft auf bestimmte Wochen- tage und Zeiten festlegen. Während der 13 Jahre, die ich nun bei der Dargebotenen Hand arbeite, war es einmal nötig, für einen längeren Zeitraum eine Pause einzulegen. Ich war sehr froh, dass dies kurzfristig und unproblematisch zu realisieren war. Das grosse Team der anderen freiwillig Mitarbeitenden konnte meine Abwesenheit auffangen. Bei bezahlter Arbeit wäre das wohl mit einem viel grösseren organisatorischen Aufwand und erst nach längerer Vorbereitung möglich gewesen.

5. Welches sind die positiven Erfahrungen der ehrenamtlichen Tätigkeit?

Die Arbeit bei Telefon 143 erlebe ich als sehr abwechslungsreich und vielseitig. Wenn das Tele- fon läutet, weiss ich nie, was mich erwartet, das finde ich sehr spannend. Ich durfte mich mit vielen Facetten des Lebens auseinandersetzen, die mir vorher fremd waren, z.B. psychische Erkrankungen. Ich habe erfahren, dass vieles möglich ist, was ich für unmöglich hielt. Das habe ich als sehr bereichernd empfunden. Es hat dazu geführt, dass meine Toleranz und mein Verständnis gewachsen sind. Die Anonymität macht es möglich, dass Themen angesprochen werden, die sonst vielleicht ausgeklammert werden. Das hat meinen Horizont erweitert und ich wachse selber daran.

Eingebettet zu sein in ein umfangreiches Aus- und Weiterbildungsprogramm, der regelmässige Austausch in den Supervisionsgruppen und der Kontakt zu anderen Menschen, die die gleiche Arbeit machen wie ich, bedeutet mir sehr viel. Durch meine 6 jährige Mitarbeit im Vorstand ist mir klar geworden, wie wichtig und aufwendig die Geldmittelbeschaffung ist. Mir gefällt es, für eine Organisation zu arbeiten, die in der gesam- ten Schweiz tätig ist und in der – trotz regionaler Unterschiede - alle am gleichen Strang ziehen.

6. Gibt es allenfalls auch kritische Erfahrungen?

Es hat eine Weile gebraucht, bis es möglich war, Belastendes im Büro zu lassen und nicht nach Hause zu tragen. Der bereits erwähnte Austausch in den Supervisionsgruppen hat es möglich gemacht.





7. Hast du Empfehlungen für Menschen, die sich unentgeltlich für eine Organisation La Main TeeinsdeutezeDnimeöDcahrgtenb?otene Hand Telefono Amico

Es braucht ein Mass an Bescheidenheit. Wir können Anstoss geben, doch den Schritt zur Ver- änderung muss der Anrufende selber tun. Ich habe gelernt, dass es keine schnellen Lösungen gibt und dass häufig das gemeinsame Aushalten im Vordergrund steht. Für die Arbeit am Tele fon scheint es mir wichtig, dass ich mich selbst als Person zurücknehmen kann und offen bin, für die Wege des Anrufenden. Man muss ertragen können, dass es auch Gespräche gibt, die nicht gelingen.

8. Gab oder gibt es Vorbilder für dich im Bereich der ehrenamtlichen Tätigkeit?

In meinem familiären Umfeld war Freiwilligenarbeit immer selbstverständlich. Mich beeindru- cken Menschen, die sich mit viel Engagement verbindlich bei der Organisation von Veranstal- tungen und in Projekten einsetzen. Es braucht Durchhaltewillen, vor allem wenn die Resonanz nicht immer übermässig gross ist. Nicht zu vergessen sind all die kleinen Hilfeleistungen, die im familiären und nachbarschaftlichen Umfeld sattfinden und auf freiwilliger Basis ausgeführt werden.

9. Hat dein Umfeld Kenntnis von deiner Tätigkeit?

Am Anfang war ich sehr zurückhaltend. Mit der Zeit habe ich den Kreis erweitert, z.B. habe ich unseren Pfarrer informiert. Er kann das Angebot der Dargebotenen Hand als gute Unterstützung weiterempfehlen und berücksichtigt uns ab und zu bei den Kollekten. Auch den KollegenInnen in der Schulpflege habe ich davon erzählt, es war aus organisatori- chen Gründen notwendig geworden. Ich habe mich immer bewusst dafür oder dagegen entschieden.

Wie sind die Reaktionen?

Ich ernte viel Bewunderung, die meisten Menschen denken von sich, dass sie dieser Aufgabe nicht gewachsen wären. Es gibt auch viel Interesse an der Arbeit.

10. Was machst du sonst noch gerne?

Sport: Ich fahre gern Velo und Ski oder gehe wandern. Ich lese gern, pflege wenige aber inten- sive Freundschaften, der Austausch mit meinen Freundinnen ist mir sehr wichtig. Ausserdem liebe ich es, auch mal nichts zu tun – einfach mal zu faulenzen.